Martina (Mamü) hat mir vor einiger Zeit ein Stöckchen zugeworfen. Ich hatte ja zunächst die Hoffnung, dass Nelly, unsere Cocker-Hündin vor mir das Stöckchen auffangen würde. Dann hätte sie sich damit herumschlagen können. Aber Nelly interessiert sich nicht so sehr für Stöckchen. Da hat sie es einfach an sich vorbeifliegen lassen. Und so musste ich es zwangsläufig auffangen. Ich konnte doch schließlich Martina (Mamü) nicht enttäuschen.
Und jetzt sitze ich da im sonnigen Italien und soll mir acht Punkte ausdenken, die man über mich wissen sollte. Hm, gar nicht so einfach. Ich fange jetzt einfach mal an:
1. Mein Name: Ich heiße Martina, genau wie Mamü, einfach nur Martina, nicht mehr und nicht weniger. In Deutschland wurde ich auch Tina oder Tinchen genannt. Als ich klein war, nannte meine Mutter mich manchmal Martinella. Da wurde ich rot vor Zorn. Martinella konnte ich absolut nicht leiden. Hier in Italien werde ich sehr oft Marti genannt. Na ja, andere Länder, andere Sitten.
2. Umzug nach Italien: Vor fast vierzehn Jahren bin ich mit meinen beiden Kindern, damals vier und sieben Jahre alt, nach Italien an die Ligurische Küste gezogen. Damit habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt und auch niemals diese Entscheidung bereut. Meinen geliebten Beruf der Hebamme habe ich damals aufgegeben. Bei so kleinen Kindern konnte ich keinen Wechseldienst machen. Und freiberufliche Hebammen gibt es hier nicht, zumindest nicht hier bei uns. Manchmal fehlt mir mein Beruf. Aber für meinen Traum habe ich gern auch Abstriche gemacht.
3. Liebe und Familie: Nach einigen Irrwegen habe ich vor fünf Jahren endlich die große Liebe meines Lebens getroffen. Wurde ja auch mal Zeit. Aber besser später, als nie. Jetzt sind wir so eine richtig schöne Familie, wie ich sie mir immer gewünscht hatte. Mein Lebensgefährte, für mich ist er mein Mann, hat auch noch eine Tochter von fast elf Jahren. Außerdem gehören zu unserer Familie noch unser Cocker Nelly und unsere Katze Lisa. Seit einem Jahr wohnen wir in einem Reihenhaus mit Garten. Was wollen wir mehr. Die große Tochter wohnt allerdings schon seit zwei Jahren mit ihrem Freund zusammen. So werden die Kinder groß.
4. Berufsleben: Außer einem bewegtem Privatleben hatte ich auch ein sehr bewegtes Berufsleben. Ich habe zwei abgeschlossene Berufsausbildungen als Arzthelferin und als Hebamme. Hier in Italien habe ich sieben Jahre lang in verschiedenen Exportunternehmen für Außentopfpflanzen gearbeitet. Meine Aufgaben waren es, mich mit Gartencenter- und Baumarktketten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England und Dänemark in Verbindung zu setzen, Verträge mit ihnen abzuschließen und die Werbungen mit ihnen zu planen. Viele Margeriten- und Kräutertöpfe, die ihr bis vor einigen Jahren gekauft habt, habt ihr indirekt bei mir gekauft. Die Arbeit war auch mit vielen Reisen verbunden, die ich anfangs interessant, später nur noch anstrengend fand. Ansonsten saß ich meine zwölf bis sechzehn Stunden im Büro ab. Meine Kinder kamen dabei eindeutig zu kurz. Das tut mir heute noch leid. Und eins sage ich euch: Ich hasse Büroarbeit aus tiefstem Herzen. Deshalb habe ich mich vor drei Jahren entschlossen, dass die Pflanzen auch ohne mich in die verschiedenen Länder exportiert werden können. So bin ich in die Hotelbranche geraten. Ich arbeite in einer Residenz mit Ferienwohnungen an der Rezeption und nur noch halbtags. Oder müsste ich jetzt halbabends sagen? Ich arbeite nämlich abends. Ich habe also fast den ganzen Tag für mich, und nach der Arbeit können wir auch noch ausgehen.
5. Allein und unter Freunden glücklich: Ich finde in allen Dingen muss ein Gleichgewicht herrschen. Ich bin kein Mensch, der ständig ausgehen muss. Ich bin aber auch kein Mensch, der ständig zu Hause sitzen muss. Ich habe eine Freundin, die kann einfach nicht allein sein. Das kommt davon, dass sie sich nicht lieb hat. Deshalb geht es ihr auch immer schlecht. Wenn sie dann Menschen um sich herum hat, erzählt sie nur davon, wie schlecht es ihr geht. Manchmal will sie nicht zu uns kommen, weil sie unser Glück nicht ertragen kann. Wenn sie dann doch mal für ein paar Tage zu uns kommt, fühle ich mich nach ihrer Abreise total ausgelaugt, buchstäblich konsumiert. Mein Motto ist schon immer gewesen: Wenn es dir mit dir selbst gut geht, dann geht es dir auch mit anderen Menschen gut. Ich habe mich ganz doll lieb und ich bin gern mit mir allein. Ich bin aber auch gern in Gesellschaft.
6. Alles im letzten Moment: Ja, es ist wirklich stärker, als ich. Ich schiebe gern alles vor mir her, bis es nicht mehr geht. Dann mache ich es aber in einem Rutsch. Jedes Mal nehme ich mir vor, dass ich mir nicht so einen Stress machen will. Viele Dinge kann man schon rechtzeitig vorbereiten. Dann hat man hinterher weniger zu tun. Nein, bei mir klappt das nicht. Ich kann nichts vorbereiten. Ich mache alles zum Schluss. Das Tolle ist, mein Mann unterstützt mich auch noch dabei. Er sagt immer, ich soll ganz ruhig bleiben. Wenn es soweit ist, hilft er mir auch. Und das tut er wirklich. Das Endergebnis ist, dass ich inzwischen alles viel gelassener sehe. Und wir machen dann eben alles im letzten Moment, aber gemeinsam.
7. Zeit verbummeln: Ich bin ein Weltmeister im Zeitverbummeln. Wenn ich morgens aufstehe, nehme ich mir vor, zu bügeln oder zu schreiben. Nach dem Frühstück setze ich mich erst einmal an den Computer und schaue, ob E-Mails eingegangen sind. Danach schaue ich ins Forum. Und dort verliere ich mich erst einmal. Ich fange an, dort zu lesen. Und auf den einen oder anderen Thread antworte ich. So, gleich bügle ich. Aber ich könnte ja noch schnell eine Partie Spider spielen. Nach fünf Partien schaue ich, ob wieder Post eingegangen ist. Oh ja, eine Antwort im Forum. Schnell lese ich, die Antworten. Da könnte ich doch auch noch ins andere Forum schauen, und die verschiedenen Blogs darf ich nicht vergessen. Ich antworte auch noch schnell auf ein paar Beiträge. Ich schaue auf die Uhr. Oh nein, es ist Zeit das Essen vorzubereiten. So, und wieder habe ich weder gebügelt noch geschrieben. Ich habe einfach so die Zeit verbummelt. Kennt ihr das auch?
8. Perfektionismus: Wenn ich etwas tue, muss es perfekt sein. Sonst fange ich erst gar nicht an. Das Endergebnis ist, dass ich nicht anfange. Mir ist klar, dass ich zu hohe Ansprüche an mich selbst stelle. So geht es mir auch mit dem Schreiben. Wenn ich etwas schreibe, mag ich es nicht veröffentlichen, weil ich denke, dass es nicht gut genug ist. Also bleibt die Geschichte da, wo sie ist, nämlich in meinem Computer. Ich bin dabei, an mir zu arbeiten. Denn mir ist klar, wenn ich nichts einschicke, kann ich nie eine Bestsellerautorin werden * ganz verschmitzt guck *.
So ich glaube, jetzt reicht es aber. Ihr wisst jetzt schon viel zuviel über mich. Deshalb werfe ich jetzt einfach mal ein Stöckchen zu Vera und ein anderes zu SusiŐ.