Martinas Geschichten Blog


4. September 2007

Stöckchen – Spiel

Abgelegt unter: Stöckchen — Martina @ 10:20

Martina (Mamü) hat mir vor einiger Zeit ein Stöckchen zugeworfen. Ich hatte ja zunächst die Hoffnung, dass Nelly, unsere Cocker-Hündin vor mir das Stöckchen auffangen würde. Dann hätte sie sich damit herumschlagen können. Aber Nelly interessiert sich nicht so sehr für Stöckchen. Da hat sie es einfach an sich vorbeifliegen lassen. Und so musste ich es zwangsläufig auffangen. Ich konnte doch schließlich Martina (Mamü) nicht enttäuschen.
Und jetzt sitze ich da im sonnigen Italien und soll mir acht Punkte ausdenken, die man über mich wissen sollte. Hm, gar nicht so einfach. Ich fange jetzt einfach mal an:


1. Mein Name: Ich heiße Martina, genau wie Mamü, einfach nur Martina, nicht mehr und nicht weniger. In Deutschland wurde ich auch Tina oder Tinchen genannt. Als ich klein war, nannte meine Mutter mich manchmal Martinella. Da wurde ich rot vor Zorn. Martinella konnte ich absolut nicht leiden. Hier in Italien werde ich sehr oft Marti genannt. Na ja, andere Länder, andere Sitten.

2. Umzug nach Italien: Vor fast vierzehn Jahren bin ich mit meinen beiden Kindern, damals vier und sieben Jahre alt, nach Italien an die Ligurische Küste gezogen. Damit habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt und auch niemals diese Entscheidung bereut. Meinen geliebten Beruf der Hebamme habe ich damals aufgegeben. Bei so kleinen Kindern konnte ich keinen Wechseldienst machen. Und freiberufliche Hebammen gibt es hier nicht, zumindest nicht hier bei uns. Manchmal fehlt mir mein Beruf. Aber für meinen Traum habe ich gern auch Abstriche gemacht.


3. Liebe und Familie: Nach einigen Irrwegen habe ich vor fünf Jahren endlich die große Liebe meines Lebens getroffen. Wurde ja auch mal Zeit. Aber besser später, als nie. Jetzt sind wir so eine richtig schöne Familie, wie ich sie mir immer gewünscht hatte. Mein Lebensgefährte, für mich ist er mein Mann, hat auch noch eine Tochter von fast elf Jahren. Außerdem gehören zu unserer Familie noch unser Cocker Nelly und unsere Katze Lisa. Seit einem Jahr wohnen wir in einem Reihenhaus mit Garten. Was wollen wir mehr. Die große Tochter wohnt allerdings schon seit zwei Jahren mit ihrem Freund zusammen. So werden die Kinder groß.

4. Berufsleben: Außer einem bewegtem Privatleben hatte ich auch ein sehr bewegtes Berufsleben. Ich habe zwei abgeschlossene Berufsausbildungen als Arzthelferin und als Hebamme. Hier in Italien habe ich sieben Jahre lang in verschiedenen Exportunternehmen für Außentopfpflanzen gearbeitet. Meine Aufgaben waren es, mich mit Gartencenter- und Baumarktketten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England und Dänemark in Verbindung zu setzen, Verträge mit ihnen abzuschließen und die Werbungen mit ihnen zu planen. Viele Margeriten- und Kräutertöpfe, die ihr bis vor einigen Jahren gekauft habt, habt ihr indirekt bei mir gekauft. Die Arbeit war auch mit vielen Reisen verbunden, die ich anfangs interessant, später nur noch anstrengend fand. Ansonsten saß ich meine zwölf bis sechzehn Stunden im Büro ab. Meine Kinder kamen dabei eindeutig zu kurz. Das tut mir heute noch leid. Und eins sage ich euch: Ich hasse Büroarbeit aus tiefstem Herzen. Deshalb habe ich mich vor drei Jahren entschlossen, dass die Pflanzen auch ohne mich in die verschiedenen Länder exportiert werden können. So bin ich in die Hotelbranche geraten. Ich arbeite in einer Residenz mit Ferienwohnungen an der Rezeption und nur noch halbtags. Oder müsste ich jetzt halbabends sagen? Ich arbeite nämlich abends. Ich habe also fast den ganzen Tag für mich, und nach der Arbeit können wir auch noch ausgehen.
5. Allein und unter Freunden glücklich: Ich finde in allen Dingen muss ein Gleichgewicht herrschen. Ich bin kein Mensch, der ständig ausgehen muss. Ich bin aber auch kein Mensch, der ständig zu Hause sitzen muss. Ich habe eine Freundin, die kann einfach nicht allein sein. Das kommt davon, dass sie sich nicht lieb hat. Deshalb geht es ihr auch immer schlecht. Wenn sie dann Menschen um sich herum hat, erzählt sie nur davon, wie schlecht es ihr geht. Manchmal will sie nicht zu uns kommen, weil sie unser Glück nicht ertragen kann. Wenn sie dann doch mal für ein paar Tage zu uns kommt, fühle ich mich nach ihrer Abreise total ausgelaugt, buchstäblich konsumiert. Mein Motto ist schon immer gewesen: Wenn es dir mit dir selbst gut geht, dann geht es dir auch mit anderen Menschen gut. Ich habe mich ganz doll lieb und ich bin gern mit mir allein. Ich bin aber auch gern in Gesellschaft.

6. Alles im letzten Moment: Ja, es ist wirklich stärker, als ich. Ich schiebe gern alles vor mir her, bis es nicht mehr geht. Dann mache ich es aber in einem Rutsch. Jedes Mal nehme ich mir vor, dass ich mir nicht so einen Stress machen will. Viele Dinge kann man schon rechtzeitig vorbereiten. Dann hat man hinterher weniger zu tun. Nein, bei mir klappt das nicht. Ich kann nichts vorbereiten. Ich mache alles zum Schluss. Das Tolle ist, mein Mann unterstützt mich auch noch dabei. Er sagt immer, ich soll ganz ruhig bleiben. Wenn es soweit ist, hilft er mir auch. Und das tut er wirklich. Das Endergebnis ist, dass ich inzwischen alles viel gelassener sehe. Und wir machen dann eben alles im letzten Moment, aber gemeinsam.

7. Zeit verbummeln: Ich bin ein Weltmeister im Zeitverbummeln. Wenn ich morgens aufstehe, nehme ich mir vor, zu bügeln oder zu schreiben. Nach dem Frühstück setze ich mich erst einmal an den Computer und schaue, ob E-Mails eingegangen sind. Danach schaue ich ins Forum. Und dort verliere ich mich erst einmal. Ich fange an, dort zu lesen. Und auf den einen oder anderen Thread antworte ich. So, gleich bügle ich. Aber ich könnte ja noch schnell eine Partie Spider spielen. Nach fünf Partien schaue ich, ob wieder Post eingegangen ist. Oh ja, eine Antwort im Forum. Schnell lese ich, die Antworten. Da könnte ich doch auch noch ins andere Forum schauen, und die verschiedenen Blogs darf ich nicht vergessen. Ich antworte auch noch schnell auf ein paar Beiträge. Ich schaue auf die Uhr. Oh nein, es ist Zeit das Essen vorzubereiten. So, und wieder habe ich weder gebügelt noch geschrieben. Ich habe einfach so die Zeit verbummelt. Kennt ihr das auch?

8. Perfektionismus: Wenn ich etwas tue, muss es perfekt sein. Sonst fange ich erst gar nicht an. Das Endergebnis ist, dass ich nicht anfange. Mir ist klar, dass ich zu hohe Ansprüche an mich selbst stelle. So geht es mir auch mit dem Schreiben. Wenn ich etwas schreibe, mag ich es nicht veröffentlichen, weil ich denke, dass es nicht gut genug ist. Also bleibt die Geschichte da, wo sie ist, nämlich in meinem Computer. Ich bin dabei, an mir zu arbeiten. Denn mir ist klar, wenn ich nichts einschicke, kann ich nie eine Bestsellerautorin werden * ganz verschmitzt guck *.
So ich glaube, jetzt reicht es aber. Ihr wisst jetzt schon viel zuviel über mich. Deshalb werfe ich jetzt einfach mal ein Stöckchen zu Vera und ein anderes zu SusiŐ.

 

17 Kommentare »

  1. Hallo Martina,

    finde ich mutig, alles hinter sich zu lassen und in einem neuen Land noch mal von vorne anzufangen. Davon träumen wir auch, doch ob wir es irgendwann tun - wer weiß?

    Ich fange das Stöckchen gerne auf, brauche aber noch etwas Zeit, bis ich es beknabbern kann.

    LG, Susi

    Kommentar von Susanne (SusiÖ) — 4. September 2007 @ 15:31

  2. Hallo Martina

    Ich dachte immer, du wärst nach Italien gezogen, weil dein Mann aus Italien stammt…*erstaunt guck*. Nun bin ich schlauer. Es war sehr interessant mehr von dir zu erfahren. Und dein bewegtes Berufsleben bietet bestimmt eine Menge Stoff für Geschichten!
    In “Alles im letzten Moment” und “Zeit verbummeln” habe ich mich sofort wieder erkannt, ich gehöre auch zu diesem besonderen `Genre´…*grins*

    Liebe Grüße
    Wally

    Kommentar von Wally — 4. September 2007 @ 19:24

  3. Hallo Wally,

    viele sind erstaunt, dass ich nicht wegen einem Mann nach Italien gezogen bin, sondern einfach so. Und dann noch mit zwei kleinen Kindern. Meine Eltern und Verwandten nannten das damals verantwortungslos und meine Freunde toll oder mutig. Nun, wenn es nicht gut gegangen wäre, hätten wir jederzeit wieder nach Deutschland zurückkehren können. Schließlich sind wir ja immer noch in Europa.
    Tja, aus meinem bewegten Berufsleben könnte ich bestimmt viele Geschichten erzählen. Aber auch in meinem Privatleben habe ich nicht gerade wenig erlebt. Aber ich denke, dass geht wohl uns allen so, wenn man die Vierzig überschritten hat *grins*.
    Das tröstet mich aber sehr, dass ich mit “Alles im letzten Moment” und “Zeit verbummeln” nicht allein dastehe. Wally, wir könnten ja mal einen Club gründen. Ich glaube, der würde sich schnell füllen *lach*.
    Ich danke dir, dass du hereingeschaut hast. Ich freue mich immer sehr.

    Liebe Grüße
    Martina

    Kommentar von Martina (MinaLosa) — 4. September 2007 @ 20:18

  4. Hallo Wally,

    viele sind erstaunt, dass ich nicht wegen einem Mann nach Italien gezogen bin, sondern einfach so. Und dann noch mit zwei kleinen Kindern. Meine Eltern und Verwandten nannten das damals verantwortungslos und meine Freunde toll oder mutig. Nun, wenn es nicht gut gegangen waere, haetten wir jederzeit wieder nach Deutschland zurueckkehren koennen. Schliesslich sind wir ja noch in Europa.
    Tja, aus meinem bewegten Berufsleben koennte ich bestimmt viele Geschichten erzaehlen. Aber auch in meinem Privatleben habe ich nicht gerade wenig erlebt. Ich denke, das geht uns wohl allen so, wenn man die Vierzig ueberschritten hat *grins*.
    Das troestet mich aber sehr, dass ich mit “Alles im letzten Moment” und “Zeit verbummeln” nicht allein dastehe. Wally, wir koennten ja mal einen Club gruenden. Ich glaube, der wuerde sich schnell fuellen *lach*.
    Ich danke dir, dass du wieder einmal hereingeschaut hast. Ich freue mich immer sehr.

    Liebe Gruesse
    Martina

    Kommentar von Martina — 4. September 2007 @ 22:28

  5. Hallo Martina,

    ich fange das Stöckchen gerne auf, brauche aber etwas Zeit, bis ich es zurecht geknabbert habe. Danke, dass du es mir zugeworfen hast.

    Das du nach Italien ausgewandert bist, finde ich klasse und natürlich auch mutig - mit zwei kleinen Kindern. Wir träumen auch manchmal davon, doch es werden wahrscheinlich nur Träume bleiben. Zumindest in den nächsten paar Jahren.

    Auch ich gehöre zu denen, die gerne die Zeit vertrödeln. Hab ich einmal ins Internet reingeguckt, komme ich so schnell nicht wieder los. Aber - was soll man machen?

    LG, Susi

    Kommentar von Susi Ö. — 5. September 2007 @ 07:25

  6. Teil 1
    Liebe Martina,

    es hat richtig Spaß gemacht deine Stöckchen-Bekenntnisse zu lesen. In einigen Punkten finde ich mich auch wieder. Ich werde Mitglied in eurem Club. *smile*
    Punkt 6, 7 und 8 könnten in etwa von mir stammen. *seufz*

    Kommentar von Mamü — 5. September 2007 @ 09:37

  7. Teil 2
    Besonders interessant fand ich Punkt 5. Du fühlst dich nach der Abreise dieser Freundin ausgelaugt und buchstäblich konsumiert… Konsumiert finde ich sehr gelungen ausgedrückt.

    Liebe Grüße,
    Martina

    Kommentar von Mamü — 5. September 2007 @ 09:41

  8. Liebe Martina,

    dann kann ich nur sagen: Willkommen im Club *ganz doll freu*. Wir sind doch auch mit unseren kleinen Fehlerchen ganz liebenswert *grins*. Perfekt sein ist doch langweilig *ganz fest überzeugt*.

    Kommentar von Martina — 5. September 2007 @ 20:16

  9. Hallo Martina,

    da man ja sagt “Aller guten Dinge sind drei”, versuche ich nun erneut, hier meinen Kommentar loszuwerden.

    Vielen Dank für das Stöckchen. Ich habe es gerne aufgefangen und auch inzwischen schon weitergereicht. Hat mir viel Spaß gemacht.

    Das du ausgewandert bist, finde ich klasse. Ist ja auch ein Traum von mir, kann aber leider im Moment nicht verwirklicht werden. (Steht auch in meinem Stöckchen.)

    LG, Susi

    Kommentar von Susanne — 7. September 2007 @ 13:53

  10. Teil 1
    Hallo Martina,

    ich hoffe, das es jetzt beim 4. Anlauf klappt. Also!! Danke für das Stöckchen. Hab es gerne gefangen und auch schon weitergereicht.

    Kommentar von Susanne — 7. September 2007 @ 20:28

  11. Teil 2
    Hab jetzt keine Lust mehr. Ich versuch’s wieder, wenn alles klappt.

    Kommentar von Susanne — 7. September 2007 @ 20:31

  12. Teil 3
    Bin schon mindestens 10 mal abgestürzt. Viel Glück, dass das repariert wird.
    LG, Susi

    Kommentar von Susanne — 7. September 2007 @ 20:32

  13. Hallo Susanne,

    ich freue mich sehr, dass du das Stöckchen aufgefangen hast.
    Ich hoffe sehr, dass die Ursache gefunden werden kann, warum die längeren Kommentare hier einfach verschwinden.

    Liebe Grüße
    Martina

    Kommentar von Martina — 7. September 2007 @ 21:01

  14. Liebe Martina,
    danke fürs Stöckchen. Ich habe es gerne weitergereicht und hoffe nun, dass es nicht verloren geht.
    Ich schließe mich dem Club an *grins*. Die Punkte 6-8 treffen auch auf mich voll zu *schäm*. Wie erfreulich, dass ich nicht allein damit bin. ;-)
    Liebe Grüße
    Vera

    Kommentar von Vera — 10. September 2007 @ 17:17

  15. Aber wo geht’s denn hier zu den Geschichten?!? Schließlich heißt deine Seite doch “Geschichten-Blog”…

    Schöne Grüße

    freddiecarlton

    Kommentar von freddiecarlton — 15. September 2007 @ 19:03

  16. Hallo freddiecarlton,

    klick doch mal auf “Geschichten”. Leider gibt es bis jetzt nur wenige. Ich habe mich noch nicht so richtig an den Blog gewöhnt. Was das Schreiben betrifft, bin ich auch noch ziemlich am Anfang. Es wird mit der Zeit bestimmt mehr Geschichten hier von mir geben, hoffe ich zumindest.

    Danke, dass du in meinen Blog geschaut hast.

    Liebe Grüße
    Martina

    Kommentar von Martina — 17. September 2007 @ 20:37

  17. Hello!
    Nice site ;)
    Bye

    Kommentar von seateTemwal — 4. Februar 2008 @ 14:32

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